Zeit, Grenzen, Feierabend, me-time
Vorweg, lies dir gerne diesen Beitrag mit dem folgenden Song im Hintergrund, dann fühlst du vielleicht auch die Emotionen, die ich beim Schreiben diesen Beitrags hatte. Dieser Song stammt aus dem Film „Die Rache der Polly McClusky“, der mir sehr unter die Haut ging:
denver luna – Underworld
Aus gegebenen Anlass möchte ich ein paar Zeilen zu den genannten Punkten in der Überschrift schreiben. Auch wenn es sich folgend durchaus als Rechtfertigung lesen könnte, soll es keine sein. Ich habe mich für meine Berufung aus freien Stücken entschieden und muss daher auch neben den positiven mit den negativen Seiten leben, mich arrangieren. Ich habe lange überlegt, ob ich jemals diese Gedanken zu Papier bringen soll und auch, ob ich es nicht einfach aus einer schlechten Laune, aus einer Impulsivität, heraus tue, und es im Nachgang bereuen werde. Nun, bereuen werde ich es nicht. Mit etwaigen Konsequenzen werde ich leben können. Wenn du dich durch meine Worte angegriffen fühlen solltest, ja, dann wohl nur, weil ich einen wunden Punkt bei dir getroffen habe. Vorweg, ich möchte niemanden sowohl bewusst als auch unbewusst angreifen, dass wäre nicht meine Art. Wer mich kennt, weiß aber, dass ich nicht um den heißen Brei rede, sondern schnell und manchmal halt auch schmerzhaft auf den Punkt komme. Ich habe lange für diese Entwicklung gebraucht und manchmal strauchle ich auch noch. Ich ziehe dir aber inzwischen schnell den Zahn, als dich ewig zappeln zu lassen. Einfach weil es eine Sache von Respekt ist.
Ich schweife jetzt noch einmal kurz dazu ins Private ab, bevor ich zu den Kernpunkten diesen Beitrags komme. Wenn sich in der Vergangenheit ein Junge/ein Mann in mich verguckt hat, auf den ich persönlich absolut nicht stand, habe ich ihm das sofort klar gemacht, bevor er überhaupt nach dem ersten Satz Luft holen konnte. Natürlich waren sie schockiert. Aber lieber ein schnelles Ende mit Schrecken (bevor es überhaupt richtig anfangen konnte), als ein Schrecken ohne Ende. Ich verstehe Frauen nicht, die Männer ausnutzen und ewig hinhalten. Also klar, die Psychologie dahinter verstehe ich. Nur ich könnte das nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Anstatt den Männern etwas vorzumachen, ermögliche ich ihnen stattdessen sich weiter umzuschauen und ihre Energie in eine andere Frau zu investieren, die ebenfalls Interesse an ihm hat.
Nun zurück zu meiner Berufung. Es ist inzwischen so viel mehr geworden, als einfach nur eine Session gemeinsam zu genießen. In den Jahren habe nicht nur ich mich weiterentwickelt, sondern auch das ganze Setting drumherum. Online oder Chat Erziehung lehne ich nach wie vor ab, weil mir da die persönliche Nähe fehlt. Ja, auch wenn wir uns bereits kennen, möchte ich das nicht online vertiefen oder weiterführen. Nicht nur, dass es mir wie gesagt zu unpersönlich ist, sondern es sind auch die Faktoren Zeit, Grenzen und Feierabend.
Ja ganz ehrlich, wenn ich mal einen schlechten Tag habe, wünsche ich mir einen Job zurück, wie damals zu meiner Studienzeit, als ich Pakete in der Nachtschicht aus dem LKW aufs Fließband gehievt habe. 7-8 Stunden mit 45min Pause. Harte Arbeit, aber danach einfach FEIERABEND. Kein Arbeitshandy, keine 24/7 Verfügbarkeit, sondern einen klaren emotionalen Abstand zur Arbeit, absolut keine Gedanken an die Arbeit. Tagsüber konnte ich mich voll und ganz auf mein Studium und meinen Sport konzentrieren. Ich nehme mich da jetzt nicht heraus und möchte nicht klagen. Jeder hat ab und an die Gedanken. Ja und weiß Gott sei froh, dass du diese Gedanken, diese Zweifel haben kannst, denn das ist ein Zeichen, dass du noch lebst und bereit für eventuelle Veränderungen bist. Nichts ist schlimmer als Stillstand, Kapitulation. Möchte ich kapitulieren? Absolut nicht! Ich möchte euch nur transparent meine Gedanken mitteilen, damit ihr wisst, woran ihr seid.
Keine Sorge, ich denke nicht daran, aufzuhören, aber ich denke daran, wie ich länger meine Berufung mit Genuss und Hingabe ausüben kann. „Ich kann ja jederzeit aufhören, wenn ich will.“ „Stell’ dich nicht so an, schließlich hast du dir diesen Beruf ausgesucht. Also musst du auch mit den Konsequenzen leben.“ Das ist alles richtig. Ich habe es mir ausgesucht. Es ist eine Herausforderung, die ich aber gerne annehme. Ab und an darf man/ich aber auch mal die Luft rauslassen.
Ich schätze viele Dinge an meinem Beruf, vor allem die Männer, denen ich dabei begegne. Wenn ich manche Geschichten und Schicksale von ihnen höre, lässt es mich Demut erfahren und Dankbarkeit. Ich kann dankbar dafür sein, was ich alles in meinem Leben habe und auch erreicht habe. Dankbar dafür sein, dass ich einen gesunden Körper und einen gesunden Verstand habe. Was ich alles sonst noch so schätze, habe ich bereits in einem früheren Blogbeitrag erwähnt (Link weiter unten) und möchte ich jetzt nicht wiederholen bzw. nur bedingt wiederholen.
In diesem Zuge hat sich mein Miteinander mit vielen Gästen verändert. Ich sehe sie nicht nur in Sessions, sondern begleite sie auch außerhalb der Studioräume. Viele persönliche Gespräche sind entstanden. Manch einer erzählt mir von seinem persönlichen Kampf, den er gerade führt und fragt mich nach Rat. Ich versuche gemeinsam mit ihm eine Lösung zu finden und unterstütze ihn teils auch bei der Umsetzung. Und das passiert auch online. Und ja, dass passiert teils auch ohne das ich alles auf die Geldwaage lege, einfach, weil es sich für mich in dem Moment richtig anfühlt, und sie keinen anderen in ebendiesem Moment haben, der diesen aktuellen Zustand versteht. Manchmal reicht ein Gedankenanstoß und der Ball rollt von selbst. Dann erhalte ich ab und an ein Update und ich freue mich riesig mit ihnen mit. Ich sehe die Begleitung als essentiellen Teil meiner Berufung und es fühlt sich richtig an.
Jetzt das Aber, was du vermutlich gesucht hast. Verstehe es nicht als Kritik an dich, vielmehr richtet sich die Kritik an mich selbst. Ich selbst bin nämlich nicht perfekt, wie manche denken. Ich habe meine Zweifel, meine Fehler, meine Herausforderungen, meine Päckchen zu tragen. Wie heißt es so schön, wenn etwas einem am Gegenüber stört, ist es meist ein Spiegel und soll darauf hindeuten, dass bei einem Selbst noch Arbeit erforderlich ist. Und weiß Gott, ich muss noch viel am mir arbeiten. Aber inzwischen habe ich immer weniger Angst an mir zu arbeiten, sondern freue mich über jeden Schritt, den ich nach vorne gehen kann. Über Abstürze kann ich inzwischen schneller lachen und als Lernschritt anerkennen, denn als Fehlschlag oder Versagen.
Natürlich verstehe ich, dass wenn du mich buchst, es vor dem Hintergrund tust, eine entspannte, geile Zeit mit mir zu haben. Mit mir begegnest du keiner Hochglanzdomina oder -frau, ohne jegliche Makel, sondern dir begegnet ein authentischer Mensch. Die Authentizität wiederum ermöglichst eine Session, die unter die Haut geht. Ich spiele dir nichts vor, – außer es ist ein Rollenspiel *zwinker* – sondern begegne dir mit meinem wahren Ich. Das ist auch einer der Gründe, warum ich inzwischen das ein oder andere nicht mehr anbiete. Ich habe mich früher viel ausprobiert, was auch immens wichtig ist, denn wer weiß, was ich sonst alles verpasst hätte. Nun habe ich mich aber gefunden und mache in unseren Session nur noch das, woran ich auch Spaß habe. Ich lerne wohlgemerkt immer noch dazu. Ich bleibe eben nicht stehen, sondern gehe voran, schmeiße aber auch mal „veraltete, inkompatible“ Aspekte von Bord.
Grenzen. Etwas an dem ich besonders arbeiten muss. Die Grenzen innerhalb einer Session kann ich inzwischen sehr gut kommunizieren. Mir ist bewusst, dass im Zustande zunehmender Geilheit Übersprungshandlungen stattfinden können, aber da bin ich eben sehr direkt geworden und bleibe da auch hart.
Vielmehr die Grenze zwischen beruflich und privat zu ziehen, ist deutlich schwieriger geworden. Früher war der Kontakt nur auf kurze Absprachen für die nächste Session beschränkt, heute findet – wie gesagt – viel mehr dazwischen statt.
Bitte versucht es objektiv zu betrachten: Ich weiß in manchen Lebenssituationen ist man verzweifelt und klammert sich an jedem Strohhalm. Und wie ein Arzt, der nicht einfach Patienten wegschicken kann, da er sich verpflichtet hat zu helfen, möchte ich dich auch nicht einfach von der Klippe stürzen lassen. Aber irgendwann ist meine Kapazität auch erreicht. Und dann fängt an, die Qualität zu leiden. Aber wo ziehe ich da meine Grenzen, wann ist genug? Das ist bei jedem Fall anders. Ein Lernprozess für mich.
Vielleicht versteht ihr mich jetzt aber, warum ich keine kostenlosen Restaurant- oder Cafébesuche und dergleichen anbiete. Meine Zeit und meine Kapazität sind begrenzt. Wenn es sich so weiterentwickelt, muss ich anfangen Geld für Gespräche zu nehmen, die sich weit außerhalb der gewöhnlichen Absprache für Sessions befinden. Aber aktuell sträube ich mich davor. Aber einfach den Nachrichtenverlauf zu stoppen, ist für mich auch keine Lösung. Eine Lösung für dieses Problem muss ich noch selbst herausfinden.
Ich würde gerne viel mehr Projekte in meiner freien Zeit angehen, für persönliche als auch berufliche, aber die fehlende Zeit macht mir da ein Strich durch die Rechnung. Aber da bin ich ganz sicher nicht die einzige.
Feierabend. Was ist das? Das erlebe ich nur, wenn ich maximal zweimal im Jahr mein Handy mal ausschalte und richtigen Urlaub habe. Während der meisten Kurzurlaube habe ich nämlich mein Handy an, weil ich ja trotz der sessionfreien Zeit meine Termine koordinieren muss.
Durch diese ständige Erreichbarkeit ist es schwer den Kopf frei zu kriegen. Bis auf den Sport, wohlgemerkt nur den Vereinssport und wenn ich mit meinem Personaltrainer trainiere, habe ich das Handy immer neben mir liegen. Wenn ich alleine Sport mache, liegt das Handy auch daneben und dann kann es sein, dass ich einen Satz Liegestützen unterbrechen muss, weil das Handy klingelt. Wenn ich mit Freunden unterwegs bin, ist das Handy auf laut. Sie kennen das inzwischen von mir und verstehen das auch, aber ja, manchmal nervt es. Ich mache es mir an meinem Schreibtisch gemütlich und möchte einen Blogbeitrag schreiben, plingpling, WhatsApp Nachricht. „Mach doch dann kurz dein Handy aus lautlos?“ Zu groß das schlechte Gewissen, etwas zu verpassen. Ich meine, dass tue ich dann ja auch, also Handy an.
Aber ich arbeite an mir. Ich schaffe es immer besser Grenzen zu setzen. Vielleicht auch weil ich inzwischen eine große Zuversicht an mein Leben und die Zukunft habe. Vieles fügt sich von selbst, solange ich einen Schritt nach dem anderen nach vorne mache. Ich mich aktiv für mein Leben entscheide und weiß, dass nur ich mein Leben in der Hand halte und dafür verantwortlich bin.
Dazu habe ich drei Sätze, einer davon von meinem Bruder und die zwei letzteren von meinem Vater, die mir seither immer wieder in den Sinn kommen:
„Wenn man dem Körper mehr abverlangt, stellt er auch mehr Energie bereit.“
„Wenn du morgens nicht den Kampf gegen die Schwerkraft angehst und aufstehst, hast du verloren.“
„Das Leben ist einfach.“
Wer musste beim letzten Satz innehalten? Kannst du dem zustimmen oder weigerst du dich das zu glauben? Glaub mir, wenn ich wieder einen grauen Brief vom Finanzamt im Briefkasten finde, fehlt mir auch kurz der Glaube.
Zeit. Zeit ist etwas sehr kostbares! Zeit ist eigentlich unbezahlbar. Mein Personaltrainer hat in seinem Profilbild dazu folgenden Satz: „Zeit ist die einzige Währung, die du ausgibst, ohne dein Guthaben zu kennen. Nutze sie weise.“
Ist die Zeit mit euch also sinnfrei?! Keineswegs, ich genieße die Zeit mit euch. Ich genieße aber auch die Zeit für mich. Meine me-time auf neudeutsch.
Einige Gäste schreiben mir sehr ausführliche, private Sessionberichte von mehreren Seiten bzw. eine Reflektion über unsere Zeit und was es mit ihnen auch außerhalb jener im Alltag gemacht hat. Diese lese ich sehr gerne und beantworte ich auch, weil mich mein Gegenüber interessiert. Aber auch das kostet mich Zeit. Zeit, die ich sehr gerne investiere, solange sie nicht Überhand nimmt.
Der ein oder andere beschwert sich darüber, wie hochpreisig inzwischen mein Stundensatz geworden ist. Ich verstehe das in einer Hinsicht auch. Derjenige zahlt ja nur für eine Stunde meiner Zeit, die er mit mir verbringt. Er sieht nicht, was er davor und danach alles bekommt oder mit anderen Worten die Vor- und Nachsorge, die Wellen über unsere gemeinsame Sessionzeit hinaus schlägt; ebenso was ich unmittelbar vor- und nachbereite. Die Energie, die ich in und um unsere Zeit setze. Ich weiß sehr wohl, dass ihr selbst auch viel Zeit aufwenden müsst, um meine Dienstleistung zu bezahlen. Geld bleibt nun einmal das offizielle Tauschmittel gegen Zeit bzw. wie einige das gerne nennen und ich da vollends mitgehe, Geld dient als Form des Energieaustauschs gegen einen Wert. Klingt sehr esoterisch, darf es auch sein.
Wofür ich einen großen Teil meiner eigenen „freien“ Zeit und Geld aufwende? Für meinen Sport und für meine Gesundheit. Und jenes ist sehr teuer. Nie würde ich auf die Idee kommen vom meinem Personaltrainer und Physiotherapeuten zu verlangen, mich kostenlos zu behandeln. Auch ich zahle einen dreistelligen Bereich pro Stunde, aber das ist es mir absolut wert. Mehr noch, ich darf mich glücklich schätzen, diese Summe zu haben, um sie in mich und meine Gesundheit zu investieren. Diese Behandlungen und der Sport stellen sicher, dass ich euch gegenüber körperlich und mental fit bin, und eben eine Dienstleistung von hoher Qualität anbieten kann.
Wird es mir manchmal zu viel? Ja! Würde ich aufhören wollen? Nein, dafür ist meine Arbeit ein Segen und ich liebe sie!
Also, um noch einmal alles kurz zusammenzufassen. Ihr seid mir sehr wichtig und mir liegt etwas an euch. Ich fühle mich geehrt vielen von euch persönlich begleiten zu dürfen. Ich lerne ja auch von und mit euch! Verzeiht, wenn ich dem ein oder anderen vielleicht schon einmal vor dem Kopf gestoßen habe. Ich möchte nach wie vor klar und fair mit euch kommunizieren.
Ich möchte euch an der Stelle aber um euer Verständnis bitten, dass ich es nicht mehr schaffe, wie ein Roboter ständig online zu sein und eure Nachrichten umgehend und ausführlich zu beantworten. Ich werde auch einfach mal nur ein „Daumen hoch“ als Antwort geben.
Wir haben alle mehr davon, dass ich nach wie vor sehr präsent sowohl in unseren Sessions im Studio, als auch bei unserer gemeinsamen Zeit außerhalb der dunklen Räume bin. Ich möchte mich nach wie vor voll und ganz in unsere Sessions einbringen können und dafür auch meine Ressourcen nutzen. Dazu muss ich aber auch schlichtweg meinen Akku aufladen können.
Und weil viele mich das bereits gefragt haben: „Warum machst du keine Videos oder generell mehr Content?“ Mir fehlt einfach momentan die Zeit und die richtigen Drehpartner, die zuverlässig wären, sowie einer der gut filmt.
Und ja, ich würde gerne mehr schreiben, weil ich das sehr gerne mache.
Hier zu meinem erwähnten Blogbeitrag: Ist der Job immer einfach?


