Stille und Schweigen. Wie ich anfange diese Zeilen zu schreiben, höre ich sanfte Musik nebenbei. Für mich eher ungewöhnlich, höre ich doch meist sehr anregende Musik, um es milde auszudrücken. Meine Musik ist vielmehr so anregend, wie wenn ich alle fünf Minuten einen dreifachen Espresso trinke.

Stille. Oft sehr schwer auszuhalten für mich. Permanent muss ich Musik hören. Das Haus zu verlassen ohne meine Kopfhörer… unmöglich. Autofahren ohne Musik, schwer vorstellbar. Geschirr abspülen ohne Musik, eintönig. Sport treiben in Stille, sehr hart. Noch härter das Joggen ohne Musik. Meine eigenen Schritte, meinen eigenen Atem hören, grauenhaft. Musik, Musik, Musik. Keine Stille.

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Ich bin am überlegen, die Musik abzustellen. Für mich ein ewiger Kampf die Aufmerksamkeit auf eine Tätigkeit zu richten und nicht durch die Musik in andere Gedanken abzudriften, gleichzeitig nicht in eine Art Eintönigkeit zu verfallen, wenn ich keine Musik höre.

Stille. Nicht in meinem Kopf, nicht in meinen Gedanken. Gedankenkarussell. Ich stelle die Musik ab. Stille. Draußen ist es ruhig. In meiner Wohnung sind nur mein Trockner und das gelegentliche Tönen meiner Handys zu hören.

Dabei kann Stille etwas so Wunderbares sein. Und tatsächlich entdecke ich für mich auch immer mehr die schönen Seiten der Stille. Einfach mal Autofahren ohne Musik. Mein Motor ist recht laut und das Geräusch liebe ich. Das Schalten der Gänge, ein schöner Sound. Wandern durch eine einsame Landschaft, einem kühlen Wald, hoch in den Bergen ohne Autolärm, ohne viele Menschen.

Vermutlich geht es dem ein oder anderem von euch auch so. Permanent in einer Welt voller Geräusche. Alles ist gefühlt ständig laut.

Schweigen. Schweigen wiederum fällt mir einfacher. Schweigen ist für mich nicht das gleiche wie Stille. Man weiß, dass man gute Freunde hat, wenn man einfach mal schweigend nebeneinander sitzen oder laufen kann, ohne dabei Reden und ohne sich dabei unwohl fühlen zu müssen. Kein betretenes Schweigen eben.

Stille und Schweigen in einer Session. Früher löste das Schweigen meines Gegenübers oft ein Gefühl der Unsicherheit in mir aus. Inzwischen genieße ich das Schweigen und mein Gegenüber genauso. Schweigen ist für mich auch eine wichtige Form des Fallenlassens. Gesprächigkeit versucht oft über Unsicherheiten hinwegzutäuschen. Oder man hat das Gefühl, wenn man nicht redet, dann sei man komisch, man fühlt sich verpflichtet, über irgendetwas Belangloses zu sprechen, nur um die Stille zu füllen. Man will dazugehören.

Ich habe inzwischen viele Sessions, wo die einzigen Worte im Vorgespräch fallen und dann vereinzelt, wenn ich meinen Gast bitte, die Position zu wechseln, oder er konkrete Fragen hat. Ansonsten herrscht eine angenehme Stille, beruhigendes Schweigen. Es ist so ruhig, dass mich immer mal wieder meine Kolleginnen hinterher ansprechen, ob alles in Ordnung gewesen sei, man hätte ja rein gar nichts gehört. Oft denke ich mir, dass unser Dominastudio nicht der richtige Ort für solche Zusammenkünfte ist, denn je stiller wir beiden sind, desto lauter kann man die Schreie und Vorgänge in den anderen Räumen hören.

In unseren Sessions genieße ich sogar die Stille und das Schweigen, auch wenn oft noch ganz leise ruhige Musik im Hintergrund läuft. Ich sollte einfach meinen Gast, dich, fragen, ob ich auch ganz auf die Musik verzichten kann.

Die Macht der Stille und des Schweigens liegt in meinem Augen darin begründet, dass man ganz in dem Moment versinken kann, ohne äußeren Einfluss. Versteht mich nicht falsch, mit guter Musik kann man auch in dem Moment versinken oder in einem Hyperfokus übergehen. Ich kann bei guter Technomusik stundenlang wie in Trance tanzen ohne auch nur einen Tropfen Wasser trinken zu müssen. Ich bin voll in dem Moment, alles andere ist ausgeblendet. Trotzdem fühlt sich das Schweigen und die Stille während einer Session ganz anders an. Ich bin nicht gedankenlos. Nein, ich bin ganz in Gedanken bei meinem Gegenüber. Auch ich lasse mich in dem Moment fallen, blende alles andere aus. Bei einer Massage sind meine Hände komplett fokussiert auf deinen Körper, deine Haut, ganz im Fühlen, meine Gedanken sind gerichteter.

Wenn man redet, kann man nicht fühlen. Am deutlichsten wird das bei einer Massage. Und das geht in beide Richtungen. Wenn ich massiere und dabei rede, fühle ich nicht vernünftig mit meinen Händen, und wenn ich massiert werde und dabei rede, kann ich die Handgriffe und die eigenen Körperreaktionen nicht fühlen und genießen.

Nicht wenige Gäste schreiben mir nach der Session ein Feedback, in dem sie sich entschuldigen, dass sie so wenig gesagt haben und nicht den Eindruck vermitteln wollten, es habe ihnen nicht gefallen. Oder sie sagen es mir bereits im Nachgespräch, dass sie sich ein wenig unwohl fühlten, beim Orgasmus nicht lauthals geschrien zu haben. Ganz im Gegenteil, sie haben es genossen. Daraufhin lasse ich sie wissen, dass ich es wahnsinnig toll finde, wenn sie sich mir gegenüber so fallen lassen konnten, sich nicht verstellen mussten und umso mehr, dass sie sich mir im Nachgang soweit öffnen konnten, es mir zu sagen. Jeder genießt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise. Ich biete dir die Spielwiese dafür. Ich persönlich bin eher der stille Genießer. Ich könnte mich gar nicht richtig auf meinen Orgasmus konzentrieren, wenn ich da so laut rumschreie, wie in einem billigen Porno. U-N-R-E-A-L-I-S-T-I-S-C-H, zumindest für mich. Also lieber Leser, an dieser Stelle lasse ich dich jetzt gerne vorab wissen, dass ich die gemeinsame Stille und das Schweigen genieße. Und wenn du keine Musik in unseren Sessions hören möchtest, so sage es mir gerne vorab.

Habe ich in den vergangenen Zeilen von der beruhigenden Wirkung von Stille und das gemeinsame Schweigen geschrieben, so kann es aber auch als eine Art Waffe verwendet werden.

Schweigen ist Macht. Schweigen kann auch als ein wichtiger Bestandteil in einer Session verwendet werden. Schweigen ist sogar mächtiger als das Wort. Warum? Stell dir vor, du stehst vor mir. Ich, in einem engen, schwarzen Kleid, ganz nah. Meine Füße stecken in hohen Absätzen. Meine dunkelbraunen Augen sind auf deine gerichtet. Keine Sekunde weicht mein Blick dem deinen aus. Ich schaue nicht nur, ich fixiere dich mit meinem Blick. Wortlos. Du schaust mich an, dabei musst du deinen Kopf zu mir erheben. Du bist bekleidet in einer Unterhose. Unsicher, ob du sie ausziehen sollst, fragst du mich. Ich sage… nix. Ich schaue dich nur an. Dein Blick wird unsicher, deine Körperhaltung sieht ebenfalls alles andere als sicher und selbstbewusst aus. Deine Schultern sind angespannt. Dein Blick weicht aus, mal auf meine Stirn, meine Nase, wieder zurück auf meine Augen. Ich registriere das. Aber ich bleibe schweigsam, still. Ich schaue nur. Ich lasse dich zappeln. Wenn ich dich genug hab Leiden lassen in dieser Form, kommt vielleicht eine Reaktion von mir, aber kein gesprochenes Wort. Ich hebe eine Augenbraue, ich lächle spöttisch, oder mein Gesicht nähert sich dir auf wenige Zentimeter… Du ziehst dich einfach aus, du zitterst. Du stellst dich irgendwie wieder vor mich, aber bist völlig verunsichert. Dann endlich breche ich das Schweigen, indem ich dich frage: „Wie fühlst du dich?“

In meiner Profilbeschreibung steht bereits geschrieben, dass ich (inzwischen) die Ruhe liebe. Natürlich kann ich auch laut sein, in einem Militärdrill macht es mir auch wahnsinnig viel Spaß, dich anzuschreien, wenn du nicht genug Liegestützen schaffst oder schon nach wenigen Sekunden in der Plankposition zusammenbrichst. Aber da ist das Setting auch ein ganz anderes. Ich denke, ich habe dir mit meinem Worten verständlich machen können, dass Schweigen und Stille etwas Wunderbares sein können; wenn ich wir uns darauf einlassen können und ich auch dir nicht nur den Eindruck vermittle, sondern selbst davon überzeugt bin, dass es etwas Wunderbares ist.

Um noch einmal auf den Anfang meines Beitrags zurückzukommen und gerne wiederhole ich mich da. Ebenso wie du, genieße auch ich die Ruhe in unserer gemeinsamen Zeit in vollen Zügen. Einen Moment dem Alltag entfliehen. Im Hier und Jetzt sein. Wieder richtig zu fühlen. Sich zu fühlen und den Gegenüber zu fühlen. Stille. Schweigen. Fühlen. Da sein.

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