Zuerst einmal: Es ist für mich kein Job, es ist meine Berufung. Auch wenn der Begriff für den Einen oder Anderen jetzt abgedroschen klingen mag. Es ist meine Berufung. Es ist nicht nur etwas, womit ich mein Geld verdiene. Es macht mich aus. Ich bin das, was ich mache und ich mache es gerne, sehr gerne. Ich liebe es. Aber deswegen ist es nicht immer einfach. Dazu nun im Folgenden ein paar Worte. Wie in jedem anderen Beruf, gibt es Tage, da fragt man sich, was das Ganze soll, und möchte einfach alles hinschmeißen. Ich würde lügen, wenn das bei mir nicht ab und an der Fall ist. Mein Beruf hat viele schöne Seiten, Annehmlichkeiten, die ich nicht mehr missen möchte, aber auch einige Schattenseiten.
Aber fange ich doch mit den Annehmlichkeiten an. Wie es generell für eine Selbstständigkeit zutrifft, bin ich sehr dankbar dafür, meinen Tag selbst gestalten zu können. Ich muss mir für einen Arzttermin keinen Urlaubstag nehmen. Allgemein, wenn ich wichtige Erledigungen habe, kann ich mir das langfristig gut einplanen. Ich habe keinen Chef über mir, der mir sagt, was ich wann wie machen muss. Natürlich legt man sich mit seinen Terminen seinen Tag fest, ich kann aber auch länger als acht Stunden arbeiten oder aber auch kürzer. Ich kann meinen Sport recht gut einplanen, der mir persönlich sehr wichtig ist. Ich kann spontan entscheiden, wann ich mal einen Urlaub mache, ihn aber ebenso spontan auch einfach mal verschieben.
Jetzt speziell zu meinem Beruf. Ich kann mit Menschen, genauer mit Männern arbeiten. Das habe ich immer schon bevorzugt. Ich kann einfach mit Männern besser. Und was gibt es dann Schöneres, als Männern jeden Tag ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern, ihnen ein tiefes Stöhnen zu entlocken, dass sie im wahrsten Sinne des Wortes nur so vor Freude und Geilheit sprühen?! Am Abend zu wissen, dass ich einigen Männern den Alltag versüßen konnte. Und weit mehr noch: Einige haben durch unsere gemeinsame Zeit und teils auch intensiven Gespräche ihr Leben zum Positiven verändern können. Und das ist es, was mich neben unserer geilen Zweisamkeit mit tiefer Zufriedenheit und auch mit Stolz erfüllt. Das ist richtig, meine Berufung bringt mir nicht nur Glück und Zufriedenheit, ich bin auch stolz auf das, was ich mache.
Und da ich schon so ehrlich bin, möchte ich euch nicht vorenthalten, dass dieser Beruf mir auch finanzielle Sicherheit gibt. Und zwar nicht nur ein Dach über dem Kopf, Essen auf dem Teller und Sprit in meinem Tank. Dadurch, dass ich entsprechend verdiene, kann ich mich auch mental wirklich gut in meinem Beruf einbringen. Dadurch, dass ich nicht jeden Tag über jeden Cent nachdenken muss – ich bin sehr dankbar dafür (!!!) – kann ich mich auf den Mann mir gegenüber voll einlassen. Mein Kopf, meine Gedanken sind während der Session bei dir. Das wäre mir nicht möglich, wenn der finanzielle Ausgleich nicht stimmte. Aber so erwarte ich das im Umkehrschluss auch, wenn ich eine Dienstleistung in Anspruch nehme. Qualität, banal formuliert, hat ihren Preis. Nur dann kann ich mir sicher sein, dass mein Gegenüber in der Zeit nur mich und meine Wünsche im Kopf hat. Schwarze Schafe ausgenommen. Die gibt es überall, auch in meinem Berufswesen.
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Die Schattenseiten sollen nicht unerwähnt bleiben. Auch hier zuerst die generellen Schattenseiten einer Selbstständigkeit. Dazu passt einfach nur der geläufige Begriff „Selbst und Ständig“. Jede Stunde, die ich nicht arbeite, verdiene ich auch kein Geld. Termine müssen koordiniert werden. Ich muss überwiegend abrufbereit sein, auf mein Äußeres und Inneres achten. Ich zähle zum Glück (Ist es wirklich Glück? Ich glaube nicht.) zu denjenigen Menschen, die selten bis gar nicht krank werden. Ab und an erwischt mich eine Migräne, aber die habe ich inzwischen sehr gut im Griff, sodass sie bestenfalls 30min dauert und dann ist sie weg, und das ganz ohne Schmerzmittel. Aber krank zu werden, das kann ich in den letzten 10-15 Jahren an einer Hand abzählen. Früher, wenn mich eine Erkältung erwischt hat, dauerte sie meist ein bis eineinhalb Tage an. Darüber bin ich heilfroh.
Was mich hingegen oft ausbremst, sind meine ständigen Verletzungen, teils auch berufsbedingt. Ein Punkt, den ich spätestens seit meiner größten Verletzung Mitte 2023 – ein Riss meines vorderen Kreuz- und Außenband im linken Knie – nun vehement angehe. Ich habe mir schon so einiges an Bändern gerissen, aber seit dieser Verletzung ist mir klar geworden: Die Gesundheit gibt es nur einmal im Leben. Und wenn man die verhunzt, war’s das. Zumal als Selbstständiger ist dein Körper auch dein Kapital und das sollte man pflegen.
Die mentale Gesundheit ist auch sehr wichtig und sollte nicht für selbstverständlich gehalten werden. Psychohygiene ist in unserem Berufswesen, wie auch für jeden Therapeuten oder generell Menschen mit viel Menschenkontakt, sehr wichtig. Ich brauche genug Zeit für mich, um mich zu sammeln und zu reflektieren. Das gilt auch für den Tag an sich. Ich brauche genug Zeit, um mich auf mein Gegenüber einzustellen und das Erlebte danach auch zu verdauen, weshalb mir die Termine nicht Schlag auf Schlag setze. Um wie oben erwähnt, in einer Session nicht nur körperlich, sondern auch geistig anwesend sein.
Der größte Stressfaktor in meinem Bereich ist die Terminkoordinierung, die Terminabsprache und die Ungewissheit, „sich-nicht-sicher-sein-zu-können“, ob die Termine auch eingehalten werden. Ich kann auf meiner Website noch so oft und fett schreiben, wie die Bedingungen für eine Terminfindung sind: Es wird von den meisten doch nicht durchgelesen, geschweige denn, sie schaffen es zu den Tabus. Das hat zur Folge, dass viele Gespräche bereits von Anfang an unnötig sind. Aber das gehört gerade bei uns leider im sehr großen Ausmaße dazu. Jedoch ich möchte mich nicht allzu sehr beklagen, schließlich habe ich mir das Ganze ja ausgesucht.
Was allerdings wirklich zermürbend ist und einfach auch offen gesagt werden muss, sind die vielen Fakes, und die Zahl derer, die unterwegs sind, nimmt leider zu. Männer, die bewusst meine Zeit rauben und sich daran offensichtlich aufgeilen. Ich habe über die Jahre ein sehr gutes Gespür entwickelt, wer zu solchen Fakes gehört. Sei es, wie dieser am Telefon spricht, wie er auf WhatsApp oder in einer Mail schreibt. Neben diesem Gefühl mache ich inzwischen konsequent von einer Anzahlung beim ersten Termin Gebrauch. Dass ich damit einige abschrecke ist mir bewusst. Dass mir damit vielleicht einige interessante Männer entgehen ebenso, aber dass ist für mich aktuell das geringere Übel. Ich würde meinem Gegenüber gerne wieder mehr Vertrauen schenken, aber die Jahre haben mich das teils bitter bezahlen lassen. Ich weiß noch: In meinen Anfängen gab es mal einen Tag, da haben 5 Männer bei mir eine Termin ausgemacht und kein einziger ist gekommen. Wie man sich da fühlt? Verarscht und beschissen und ja ich hatte in dem Moment auch einen Hass auf die Männerwelt. Aber gut, das ist Geschichte. Jede muss durch solche Tage durch. Wer die Anfänge nicht nur übersteht, sondern hart in diesen gearbeitet hat, wie im übrigen jeder Selbstständige (ich würde sagen, die ersten drei Jahre sind entscheidend), wird weiter bestehen. Aber wenn ich eines gelernt habe in all den Jahren: Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.
Eine Anzahlung sichert noch lange keinen Termin, auch da bin ich schon oft enttäuscht worden. Es gibt leider auch ein paar von meinen Stammgästen, die plötzlich anfangen, sehr unzuverlässig zu werden. Da muss ich dann auch leider wieder zu einer Anzahlung zurückgreifen. Es kann immer mal etwas Unerwartetes dazwischen kommen, aber häuft es sich, muss man auch meine Seite verstehen.
Der zweitgrößte Stressfaktor sind die nicht so netten Männer. Männer, die einen am Telefon oder per Nachricht beleidigen, Tabus aushandeln wollen, mit dem allseits gleichen Spruch: „Machst du es für mehr Geld?“ Nein, mache ich nicht! So sehr ich meinen Beruf liebe, sei dir immer über eines bewusst. Du bezahlst für meine Dienstleistung und nicht für mich! Ich bin unkäuflich und daher auch nicht verhandelbar! Du möchtest meine Dienstleistung verhandeln, dann minderst du den Wert meiner Leistung, nicht nur für mich, sondern auch für dich! Ich gehe auch nicht in ein teures Markengeschäft, knall den Mantel auf den Tisch und schreie lauthals raus: „Also 5000 zahle ich nicht dafür, mir ist er nur 200 wert.“ Ich gehe halt einfach von vornherein nicht in ein solches Geschäft. Diese Auffassung liegt vielleicht auch in meiner Erziehung begründet. Aber dieses Fass mache ich jetzt nicht auf.
Nun, vielleicht denkst du dir jetzt, lieber Leser: „Dann schalte doch auf Durchzug und ignoriere solche Idioten.“ Keine Sorge, das tue ich auch. Ich habe es mir auch von einem Bekannten anhören müssen, der Youtube-Videos macht. Bis er eines Tages verstanden hat, was das wirkliche Problem ist. Er schaute sich die Kommentare unter seinen Videos an. Und obwohl er zuvor vielleicht 50 positive gelesen hat, war der 51ste dann richtig negativ. Und egal wie viele positive er danach an dem Tag gelesen hat, der eine negative Kommentar blieb hängen. Unser Gehirn bleibt leider leichter am Negativen haften, als am Positiven. Evolutionsgeschichtlich lässt sich das sogar sinnvoll begründen. Ich möchte euch jetzt nicht mit Details langweilen. Fakt ist, wenn man solche negativen Nachrichten/Telefonate oft in der Woche, teils mehrmals täglich zu hören und zu lesen bekommt, bleibt das nicht ohne Nachwirkungen. Und deshalb ist Psychohygiene für uns so wichtig.
Der drittgrößte Stressfaktor findet sich in der Session selbst. Und der ist, ehrlich gesagt, erst „entstanden“, seit ich nun auch – wie es so schön heißt – full service, also auch Geschlechtsverkehr anbiete. Da geht es heiß her auf dem Bett und dann fragt der Mann: „Machst du nicht doch auch ohne Gummi?!“ Diese eine dumme Frage zerstört in dem Moment für mich wirklich die ganze Session. Warum? Einmal, weil es nicht nur ein Tabu von mir und ebenso illegal ist, EGAL ob oral oder vaginal, sondern weil in dem einem Moment ich als Person verletzt werde. Zweitens, alle meine Alarmglocken läuten förmlich ohrenbetäubend in meinem Kopf. „Pass auf“, heißt es dann, „Vielleicht zieht er heimlich das Kondom ab, wenn er mich von hinten nimmt.“ Er hat es geschafft, mir mit nur dieser einen Frage mein komplettes Vertrauen in ihn zu zerstören. Meine Geilheit in dem Moment? Die ist rennend davongelaufen! Ob ich die Session abgebrochen habe? Nein, habe ich nicht. Das sei meiner Güte geschuldet, dass ich dem Mann am Ende doch noch einen schönen Abschluss gönnen will. Aber das nur noch rein als Dienstleistung. Ich stehe ab diesem Moment nicht mehr dahinter.
Es gibt noch ein paar weitere Schattenseiten, die mehr oder weniger prominent sind. Zu erwähnen sei, wie unser Beruf von Außenstehenden betrachtet wird. Das ist mir, schlichtweg gesagt, inzwischen recht egal. Mit Recht meine ich. Das was ich mache, ist meine Entscheidung. Wenn du ein Problem damit hast, ist es deins, nicht meins. Fertig! Einzig das Problem liegt darin, dass man nach wie vor als Mensch zweiter (oder letzter) Klasse angesehen wird, gerade wenn es um das Thema Wohnungssuche, (Neben)job oder das Erstellen eines Bankkontos geht. Da muss Frau dann kreativ werden!
Ein letzter Punkt, der mir noch sehr auf dem Herzen liegt. Wenn die Frage vom Gegenüber kommt: Machst du das Ganze freiwillig bzw. was macht so eine Hübsche wie du hier? Weißt du wie sehr du dich in diesem Moment selbst erniedrigst bzw. selbst beleidigst? Ich bin hier, du aber auch. Wenn du meinst, ich hätte es nötig, was sagt das dann über dich aus und darüber, warum du hier bei mir bist? Wenn ich nicht hier wäre, wärst du dann bei der nächstbesten Kollegin? Wirst du sie das Gleiche fragen?
Was ich mich in dem Moment nur frage, ist, ob du dein Gewissen erleichtern willst, ob du dich vor deinem schlechten Gewissen rechtfertigen willst, warum du ausgerechnet zu einer Prostituierten willst? Hast du keine Freundin, keine Frau, die es dir besorgen kann oder bist du einfach nur genervt von ebenjenen? Klingt mies die Frage und unterhalb der Gürtellinie, oder?! Genau so ist es mit deiner Frage? Aber vielleicht bist du auch einfach nur unsicher und bist ernsthaft besorgt, dass ich es aus Zwang mache?
Ich mache es freiwillig und sehr gerne. Ich brauche keinen edlen Ritter, der mich da raus holt.
Du hättest die Frage einfach anders stellen könne, „Warum mache ich es?“ und wir hätten ein nettes Gespräch gehabt…
Nun mag mein Blogbeitrag sehr negativ klingen, er soll aber einfach ehrlich sein. Ich habe viel in den letzten Jahren erlebt und mir ist eine gewisse Transparenz wichtig. Viele meiner Gäste sind mir ans Herz gewachsen. Sie sehen nicht nur meine Wandlung, sondern ich darf teilweise auch Zeuge ihrer Wandlung sein und das macht mich glücklich. Dafür stehe ich jeden Tag auf. Das und für mich selbst!