Du stehst mitten im Raum. Ich habe dich mit meinen Blick fixiert. Wir sind auf Abstand, keine Berührung. Deine Arme und Füße frei, nicht mit Seilen oder Manschetten gefesselt. Du könntest also frei in dem Raum herumwandern, nähertreten, dich von mir entfernen. Meine Augen sind auf deine gerichtet, mein Blick durchdringt dich. Meine Konzentration liegt ganz auf dir. Wie ist es mit dir in diesem Moment? Schaust du mich auch an oder schaust du durch mich hindurch. Was nimmst du alles im Raum wahr? Die leise Musik hinten in einer der Ecken. Wie warm ist es? Ist nicht gerade eine andere Dame den Flur entlang gelaufen? Nimmst du all das wahr oder haftet nicht nur der Blick auf mich, sondern ebenso deine volle Konzentration? Kannst du meinem Blick länger standhalten oder wird es langsam anstrengend, zu intim? Was denkst du gerade? Meine dunkelbraunen Augen blicken unentwegt in deine Richtung. Ich sage kein Wort, ich stehe einfach nur da.
Der direkte Blickkontakt ist mächtig, mächtiger als jedes Wort und jede Tat, zumindest meiner bescheidenen Meinung nach. Ich stelle mir eine Szene in einer Bar vor, ein Mann redet laut und gestikuliert wild um sich herum. Vielleicht ist er besoffen, vielleicht aggressiv, hatte einen schlechten Tag, vielleicht ist es auch einfach seine Art. Die Beweggründe sind nicht wichtig. Ich schmunzle und beachte ihn nicht weiter, sondern lasse meinen Blick weiter umher wandern. Andere Männer beobachten ihn, reden über ihn, wiederum andere sind ganz in ihre eigenen Gespräche vertieft und nehmen ihre Umgebung nicht wahr.
Und dann bemerke ich ihn. Ein Mann, dunkel gekleidet, sitzt in einer Ecke ganz hinten in der Bar… und er blickt direkt auf mich. Ich mustere sein Gesicht, keine Mimik ist erkennbar. Er macht keine Anstalten aufzustehen oder irgendetwas zu sagen, selbst wenn, würde ich es bei der Lautstärke im Raum eh nicht hören. Er blickt nur auf mich, still, ununterbrochen. Ich versuche seinem Blick standzuhalten. Jener geht durch Mark und Bein und lässt mir einen Schauer meinen Rücken hinunterlaufen. Es scheint eine Ewigkeit zu vergehen, ich versuche einmal meinen Kopf leicht zu drehen, aber es fühlt sich an, als wenn mein Kopf links und rechts von zwei Händen festgehalten wird. Ich kann seinem Blick nicht ausweichen und fühle mich in einen Sog hineingezogen. Mein Magen verkrampft sich leicht, aber nicht aus Angst, sondern aus purer Neugier. Er, der eine Mann im Raum, der nichts sagt und sich nicht rührt, ist derjenige, der mich in seinen Bann gezogen hat. Alles ohne Worte, nur der durchdringende Blick.
Und dann, einfach so im nächsten Moment lächelt er mich an, hebt sein Glas und trinkt einen Schluck. Dabei lässt er seinen Blick von mir ab und schaut in Richtung des immer noch laut und wild daher gestikulierenden Mannes. Im selben Moment fühlt es sich an, als wenn die unsichtbaren Hände meinen Kopf losgelassen hätten, plötzlich leicht, fast schwerelos. Der Sog? Verschwunden! Jetzt sitze ich da und muss mich zunächst sortieren. Wie geht es weiter?
Erkennst du dich in einen der beiden Szenarien wieder? Wie wichtig ist der Blickkontakt für dich? Ich habe Sessions, in denen wir uns für gefühlte Ewigkeiten einfach nur anschauen. Ich nutze einen intensiven Blickkontakt sehr gerne, um meine gesprochenen Worte – seien sie nun laut oder nur mehr ein leises Flüstern – zu unterstreichen, mehr Ausdruck zu verleihen.
Auch in vielen Ringkampfsessions spielt der Augenkontakt ein wichtige Rolle. Ich halte dich zum Beispiel fest im Schoolgirl Pin. Sitzend auf dir, habe ich deine beiden Arme mit meinen fixiert. Ich schaue von oben auf dich herab. Du versuchst dich zu befreien, dich hinauszuwinden und ich sitze währenddessen auf dir drauf und schaue dich lediglich an. Solange, bis du ermüdet bist und mir in letzter Konsequenz ebenfalls in die Augen schaust. Du willst meinem Blick ausweichen, sogleich gebe ich dir mit einem leisen, aber scharfen Befehlston die Anweisung mich weiter anzuschauen…
Ich liebe es dich einfach nur mit meinem Blick zu dominieren. Ein Blick ist unverfälscht und damit klarer in seinem Ausdruck. Weniger Fehlinterpretation, aber um so intensiver auf körperlicher Ebene.
Da ich selbst weiß, wie anstrengend ein ständiger Blickkontakt sein kann, gewähre ich dir auch Pausen oder verbinde dir ganz die Augen. Sobald die Augenmaske angelegt ist, lässt der Druck nach. Du kannst dich nun viel besser auf dich selbst und die verbleibenden Sinne konzentrieren. Du kannst besser in dich hineinfühlen. Stimmst du mir da zu?
Nicht nur, dass man mit Blicken dominieren kann, jemanden wahrlich festhalten kann. Die Augen des Gegenübers können so viel über dessen Gefühlszustand und Emotionen verraten. Er verrät mir, ob du wirklich da bist, im Hier und Jetzt mit mir oder ob du abschweifst, zweifelst oder dich schämst. Ob du genießt und Lust empfindest oder ob du kurz vor der Panik stehst.
Ein Blick von Auge zu Auge zeigt in den allermeisten Fällen eins, Präsenz, und darüber freue ich mich sehr. Zu wissen, dass du voll und ganz in unserem gemeinsamen Moment bist. Dich unserem Spiel hingibst…
Könntest du meinem Blick standhalten?
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